Warum nicht einfach ein "Balkonkraftwerk"

Balkonkraftwerke bestehen – grob gsagt – aus aus Solarpaneelen und Regler/Wechselrichter (diese Kombination interagiert oft mit einer Handy-App) mit max 800Watt zum Einspeisen. Aber: Wenn man keinen Zweirichtungszähler hat (oder noch einen alten Zähler mit Drehscheibe) speist man die momentan zu viel erzeugte Energie kostenlos in das Netz des Enegieversorgers ein. Somit ist sie nicht verloren, denn es muss dafür weniger Strom aus Kohle oder Gas erzeugt werden, aber es kommt dem Inhaber der Anlage nur dann zugute, wenn er „zufällig“ gerade auch Strom abnimmt. Zum Teil funktionert das mit Geräten, die eine gewisse Grundlast erzeugen (Kühlschrank, Ladegeräte, Unterhaltungselektronik, ..), aber am späten Nachmittag ist das Spiel vorbei, deshalb:

ein "Balkonkraftwerk" mit Speicher

Ein Speicher ermöglicht zum einen, mehr als 800W erzeugte Leistung zu verwerten, denn wenn die Solarpaneele mehr als 800W liefern, kann diese Energie gespeichert werden. Und der Speicher kann Energie wieder abgeben, wenn abends und nachts die Grundlast (Kühlschrank etc.) immer noch Strom verbraucht. Das ist beim einfachen „Balkonkraftwerk“ ohne Speicher nicht so.

Speichern oder einspeisen?

Wenn man die Möglichkeit zum Speichern hat und die Sonne scheint, hat die Anlage „die Qual der Wahl“: Soll sie ins Hausnetz einspeisen, oder den Akku aufladen, um die Energie später zu nutzen? Sie kann ja nicht wissen, wie viel Energie im Haus gerade benötigt wird. Hier gibt es viele Berichte im Internet mit „günstigeren“ Speichern von Growatt oder Zendure, die dann Zeitpläne und Prozentzahlen voreinstellen („Tagsüber 50% ins Haus und 50% laden“) oder ähnlich. Sehr oft wird berichtet, dass das entweder nicht richtg funktioniert, oder nur bis zum nächsten Firmware-Update der App, oder wie auch immer – also dass der erzeugte Strom nicht so verwendet wurde, dass er dem Inhaber maximal nützt. Besser funktioniert es mit einem

Smartmeter

Ein Smartmeter ist ein kleiner extra-Stromzähler, der im Zähler-/Stromverteilerschrank mit eingebaut wird. Er misst, wie viel Leistung momentan gerade aus dem öffentlichen Netz (also kostenpflichtig vom Energieversorger) bezogen wird. Abhängig davon steuert er Speicher und Wechselrichter „gegen“, damit möglichst keine Energie aus dem öffentlichen Netz bezogen wird, solange die Sonne scheint oder der Akku noch geladen ist. Es wird dabei von der Solaranlage nur so viel Leistung „ins Haus“ gespeist wie gerade benötigt, und mit dem Rest der Akku aufgeladen. Wenn es dunkel wird, regelt die Anlage mit Hilfe des Smartmeters, wie viel aus dem Akku in jedem Moment in das Haus eingespeist wird.

Ich habe eine Anlage von Anker gekauft (Solarbank 2 Pro mit Anker Smartmeter), die genau das kann. Der Speicher und das Smartmeter kommunizieren dabei über ein lokales WLan – immerhin nicht über die China-Cloud und zurück wie bei anderen Lösungen, aber das WLan muss man haben, aber nicht zwingend Internet-Zugang – es genügt also ein altes Handy mit WLan-Hotspot ohne SIM-Karte und ohne Internet.

Ich habe allerdings ein WLan mit Internet-Zugang benutzt, weil man dann mit der Anker-App auch aus der Ferne sehen kann, wie viel die Anlage produziert hat, wie voll der Speicher ist und wie hoch der momentane Verbrauch ist, und weil ich das WLan ohnehin für Home Assistant und Überwachungstechnik habe, aber das sind zwei ganz andere Themen.

Solarthermie gegen die "Stromfresser"

Früher war Solarthermie mal anders gemeint: Das waren Paneele mit Rohren und Spiegeln, wo Wasser oder ein anderes Mittel erwärmt wurde, und dann mit Wärmetauschern die erzeugte Wärme nutzbar gemacht wurde. Im Winter muss man dann da Wasser ablassen usw. Ich hatte das erst überhaupt nicht vor, aber nun gibt es eine interessante Variante: Einen „Fothermo“-Warmwasserboiler, an den direkt ein Solarpaneel angeschlossen werden kann, und der Regler und Heizpatrone dafür enthält. Ich habe dafür ein separates Paneel vorgesehen (Achtung, maximale Eingangsspannung beachten, nicht alle Paneele sind dafür geeignet, meist gehen die mit 108 Zellen).

Dieser Boiler heizt einstellbar bis auf 65 Grad auf, wer will kann noch ein Steckernetzteil dazukaufen – ich habe das erstmal weggelassen und bis sehr gespannt, ob ich es brauchen werde.

Meine bisherigen Boiler – 1x Untertischboiler für Spülbecken und Handwaschbecken und 1x Duschboiler – sind wahre „Stromfresser“ – und zwar immer dann, wenn man sie vergisst, nach dem Duschen abzuschalten oder wenn der Untertischboiler zu hoch eingestellt ist (in der irrigen Annahme, dass dann das kalte Wasser schneller warm wird – nein, wird es nicht, es wird nur heißer und man verbrüht sich). Oder wenn die Teile im Winter noch angeschlossen sind, damit sie nicht einfrieren im Haus.

Diese beiden Boiler sind schon alt, und werden sicher bald den Dienst quittieren. Stattdessen kommt ein Solarboiler mit 30 Liter anstelle des ehemaligen Duschboilers in den Warmwasserstrang. Da ich im Winter kein warmes Wasser brauche, sollte das gut funktionieren. Gut – das Aufheizen wird länger dauern, aber dafür habe ich ja jetzt mehr warmes Wasser im Vorrat, für das ich wirklich gar keinen Strom bezahlen muss. Bin sehr gespannt, ob diese Rechnung aufgeht. Und ich habe gleichzeitig meine Grundlast gesenkt.

Montagematerial und Kabel

Nicht unerheblich sind die Kosten für die Montage der Paneele auf dem Dach, sowie die notwendigen elektrischen Leitungen. Letztere kann man fertig mit Steckern dran in beliebiger Länge kaufen – da muss man aber genau wissen, wie lang mindestens. Ich habe mich für Meterware entschieden und demzufolge crimpe ich die Stecker am Ende selbst dran – einerseits, um mit überschüssigem Kabelmaterial keine „Spulen“ bauen zu müssen, andererseits, um kleinere Löcher für die Kabeldurchführungen in den Schuppen und danach ins Haus bohren zu müssen (.. weil der Stecker am Ende dann ja nicht mit durch das Loch muss).

Da ich Bitumenbahnen auf dem Dach habe, brauche ich ein dafür passendes System, was gewährleistet, dass das Dach auch danach noch dicht ist. Hier gefiel mir am besten „K2 SpliceFoot“ von K2-Systems. Am schönsten ist es, wenn man alle Komponenten von einem Händler bekommen kann, und der dann die recht langen Schienen auch noch ohne Versandkosten liefert. Wegen der Verfügbarkeit habe ich auf 2 verschiedenen Händler aufgeteilt, die Schienen kamen dann überraschend eines Werktags bei meiner Wohnung an und passten gerade so durch das Treppenhaus.

Um auf das Dach zu steigen und nicht herunterzufallen, habe ich mir noch ein Gurtzeug samt Karabiner und langem Seil ausgeliehen, so dass ich – bergsteigergerecht gesichert – ohne Angst da oben arbeiten kann.